[Rezension]: T.C. Boyle, „Drop City“

„Drop City“ von T.C. Boyle

Gelesen vom 19.05.2013 bis 25.05.2013

Nachdem ich „Frage 62“ von T.C. Boyle gelesen hatte und mir diese Kurzgeschichte sehr gut gefallen hatte, wollte ich unbedingt auch einmal einen Roman von ihm lesen. Da es gerade vorhanden war, lieh ich mir also aus der Bibliothek das ebook „Drop City“ aus. Ich hatte von Beginn an keine Ahnung, wohin die Reise gehen und wovon das mit über 500 Seiten doch etwas umfangreichere Buch handeln würde. Ich begab mich mitsamt einer Hippie-Kommune auf die Reise ins Ungewisse…

Schon von Beginn an bekommt man einen sehr guten, lebendigen Eindruck in das Leben in einer Hippie-Kommune. Ob sich das damals wirklich so abgespielt hat, kann ich natürlich nicht beurteilen, in den 70ger Jahren war ich noch nicht einmal geboren. Schon bald erkennt man, dass in der Kommune nicht alles eitel Sonnenschein ist, wie es sich mancher vielleicht wünschen würde. Immer wieder kommen Touristen ins Lager in Kalifornien, die das Hippie-Leben von nahem bestaunen wollen, dann aber auch ganz froh sind, wenn sie in ihr „normales“ Leben zurückkehren können.

Star ist froh, dass sie ihr altes Leben hinter sich gelassen hat, dass sie der Kontrolle ihrer Eltern entkommen konnte und dass sie, nachdem sie mit Ronnie, im Camp „Pan“ genannt, den sie noch aus ihrer Schulzeit kennt, schließlich in „Drop City“ gelandet ist. Erste Zweifel, ob sie nicht vom Regen in der Traufe gelandet ist, befallen sie, als der Verdacht entsteht, ein paar Mitglieder der Kommune hätten ein minderjähriges Mädchen vergewaltigt. Die Sache wird heftig diskutiert, aber aufgearbeitet wird der Fall nicht und Norm, der Anführer der Gruppe in Drop City, lässt die Verdächtigen auch weiter innerhalb der Kommune leben.

Als daraufhin die örtliche Polizei die Kommune auflösen will, bleibt Norm, Star, Pan und den anderen nichts anderes übrig, als nach Alaska zu ziehen, wenn sie überleben wollen. Die Vorräte der Gruppe gehen zwar zu neige, aber in Alaska wollen sie als Gruppe von Selbstversorgern das wahre Hippie-Leben auskosten. Doch allein der Weg gen Norden stellt sich als schwieriger und beschwerlicher heraus, als gedacht und in Alaska angekommen, machen sich die völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten nicht ernsthaft daran, für den Winter vorzusorgen.

Dass die Menschen, die schon ihr Leben lang in der Wildnis Alaskas wohnen, viel eher dem Ideal, das den Hippies vorschwebt, entsprechen, als die Hippie-Kommune selbst, wird Star klar, als sie Sess und seine junge Ehefrau kennenlernt, die in einer Blockhütte im Wald leben und zum größten Teil Selbstversorger sind. Sess‘ Frau allerdings ist froh, in einigen der Frauen von „Drop City Nord“, wie sie ihre Kommune in Alaska nennen, Freundinnen gefunden zu haben. Sie selbst kommt aus der Großstadt und hat mit dem einsamen Leben im Wald hin und wieder doch zu kämpfen, wie sie sich eingestehen muss.

Ich mag T.C. Boyles Schreibstil wirklich sehr und ich fieberte mit der gesamten Kommune bei ihrem seltsamen Umzug nach Alaska mit. Einige Charaktere waren mir sympathischer, andere unsympathischer, aber alle hatten ihre Daseinsberechtigung. Nach etwa der Hälfte des Buches erfuhr man dann hin und wieder etwas über Sess‘ zukünftige Ehefrau und über Sess‘ selbst, was eine willkommene Abwechslung zum Leben in Drop City war. Allerdings hatte das Buch auch durchaus seine Längen und ich hätte mir eine Art Schluss gewünscht, der meiner Meinung nach nicht wirklich vorhanden ist. Normalerweise mag ich offene Enden aber bei diesem Buch fühlte es sich an, als ob einen der Autor ein langes Stück des Weges mitnimmt und einen dann, bevor man angekommen ist, einfach stehen lässt.

Hier vergebe ich 3 von 5 Sternen.

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