[Rezension] Jussi Adler-Olsen, „Verachtung“

„Verachtung“ von Jussi Adler-Olsen

Gelesen vom 13.01.2013 bis zum 20.01.2013

Kommissar Carl Morck ist überhaupt nicht amüsiert, als seine Assistentin Rose ihm die Akte eines Falles unterjubelt. Doch als er herausfindet, dass sechs Personen am selben Tag des Jahres 1987 verschwanden und nie wieder zurückkehrten, ist sein Interesse geweckt. All diese Personen sind mit Nete Hermansen und ihrem schrecklichen Schicksal verknüpft. Seit ihrer Jugendzeit von Menschen betrogen und misshandelt, vollzieht der fanatische Frauenarzt Curt Wad an ihr eine Zwangssterilisation und lässt sie in die Besserungsanstalt für schwachsinnige Frauen auf der Insel Sprongo einweisen. Jahre später kommt Nete frei, ist aber ein gebrochener und anderen Menschen gegenüber zutiefst misstrauischer Mensch.

Als sie von netten Pflegeeltern aufgenommen wird, denkt sie, sie habe die schreckliche Vergangenheit endlich hintergelassen, doch da liegt sie falsch…als sie erkennt, dass sie ihrer Vergangenheit nicht entkommen kann, beschließt sie grausame Rache an ihren Peinigern zu nehmen…

Wie immer ein sehr, sehr spannender Thriller von Jussi Adler-Olsen. Ich fand es auch rein gar nicht störend, dass man schon fast von Anfang an von Netes Plan wusste, dass man also von Anfang an wusste, was wahrscheinlich mit den verschwundenen Personen geschehen war und wer diese umgebracht hatte. Denn ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte, war es dann doch nicht. Da hatte der Autor dann doch noch die eine oder andere sehr spannende und geschickt eingefädelte Wendung parat.

Was die Spannung meiner Meinung noch erhöht hat, war, dass die Geschichte abwechselnd in einer Rückblende aus Netes Sicht im Jahre 1987 und aus der Sicht der Ermittler im Jahre 201o erzählt wurde. Ich konnte mich gar nicht entscheiden, welchen Erzählstrang ich spannender fand. Nete als Figur war mir auch sehr sympathisch, trotz allem, was sie getan hatte oder noch vorhatte, zu tun. Jetzt frage ich mich, ob das vielleicht nur daran lag, dass sie solche Grausamkeiten erdulden musste. Denn vielleicht ist einem als Leser ja automatisch jeder Mensch sympathisch, der so Unmenschliches durchmachen musste, wie Nete Hermansen.

Es war auch eine Freude, Carl, Assad und Rose wieder beim Ermitteln „zuzusehen“, wobei ich mir gewünscht hätte, noch etwas mehr von Assads Hintergrund und Vergangenheit zu erfahren, aber da müssen wir Leser wohl auf die nächsten Bücher aus dieser Reihe warten.

Immer wieder finde ich es auch, über Carls Privatleben zu lesen, der zusammen mit seinem ehemaligen Kollegen, der, seit er angeschossen wurde, querschnittsgelähmt ist und den Carl in seinem Haus aufgenommen hat, Carls Mitbewohner und dem Sohn seiner Noch-Ehefrau Vigga, mit denen er zusammenwohnt.

Das Buch war sehr spannend, ich konnte es nicht aus der Hand legen, musste das aber leider öfter, als ich es wollte. Ich kann es auf jeden Fall weiterempfehlen, allerdings sollte man die Bücher der Reihe auf jeden Fall in der richtigen Reihenfolge lesen. Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Band der Reihe.

Bei diesem Buch vergebe ich 5 von 5 Sternen.

[Rezension] Laura Brodie, „Stimmen in der Nacht“

„Stimmen in der Nacht“ von Laura Brodie

Gelesen vom 08.01.2013 bis zum 13.01. 2013

In einer lauen Sommernacht hört die Dozentin Emma die Stimmen dreier ihrer Studenten am Bach, der über ihr riesiges Grundstück fließt. Sie geht hinaus, um mit ihnen zu reden, doch später eskaliert die Situation im Haus. Maggie, Emmas kleine Tochter, hat die alles mit angesehen und die Bilder der Gewalt lassen sie nicht in Ruhe.

10 Jahre später kommt Maggie ihre neue Mathelehrerin, Mrs. Murdock, sehr seltsam vor. Sie sieht ihr nie ins Gesicht und Maggie hat das Gefühl, dass sie sie nicht leiden kann – was auf Gegenseitigkeit beruht. Maggie beschließt, nicht mehr in den Matheunterricht zu gehen, doch als sie vom Schulpolizisten im Wald entdeckt wird und der sie schließlich mit Mrs. Murdock konfrontiert, kommt zum Vorschein, was längst vergessen schien. Doch was ist vor 10 Jahren wirklich geschehen?

Der Klappentext dieses Buches hat mich sofort angesprochen. Vor einiger Zeit habe ich auch das erste Kapitel des Buches bei vorablesen.de als Leseprobe gelesen, habe das Buch dann allerdings nicht gewonnen. Deshalb beschloss ich, dass ich es mir unbedingt kaufen müsse, was ich dann diesen Monat endlich auch mal getan habe.

Das Buch war nicht ganz das, was ich erwartet hatte, aber ich fand es gut. Ich hatte eher einen Thriller erwartet, aber ich weiß gar nicht, zu welchem Genre ich dieses Buch eigentlich zählen soll. Der Anfang war sehr, sehr spannend und nach etwa der Hälfte des Buches hat die Autorin eine von mir sehr unerwartete Wendung eingebaut, was ich wirklich genial fand.

Nach dieser Wendung ging es dann allerdings nicht mehr ganz so spannend weiter wie bisher, obwohl es mir beim Lesen des gesamten Buches nie langweilig wurde. Es ist nur schwierig, über dieses Buch zu schreiben, ohne jemandem, der es noch nicht gelesen hat, zu viel zu verraten.

Ich mag es, wie Laura Brodie ihre Charaktere zeichnet, wie sie sie beschreibt. Besonders mit Maggie konnte ich als Leser mitfühlen, ich fühlte fast das, was sie fühlte. Aber auch Emma konnte ich während der fortlaufenden Handlung zwar nicht immer verstehen, aber doch mit ihr mitfühlen. In diesem Roman wird deutlich, wie sehr eine einzige Nacht, die eigentlich ganz harmlos begann, das Leben nicht nur einer, sondern mehrerer Familien völlig umkrempeln kann. So, dass von da an nichts mehr dasselbe ist, wie sehr auch alle versuchen, das Geschehene zu vergessen und unter den Teppich zu kehren.

Es war nicht das tollste Buch, das ich jemals gelesen habe, aber das hatte ich auch nicht erwartet. Mir hat es jedenfalls gefallen und ich finde, es ist wirklich lesenswert.

Bei diesem Buch vergebe ich 3 von 5 Sternen.

[Rezension] Rita Mae Brown, „Die Weihnachtskatze: Ein Fall für Mrs. Murphy“

„Die Weihnachtskatze: Ein Fall für Mrs. Murphy“ von Rita Mae Brown & Sneaky Pie Brown

Gelesen vom 01.01.2013 bis zum 07.01.2013

Als Harry Harristeen sich, wie jedes Jahr vor Weihnachten, einen Baum aus der Baumschule der „Brüder in Liebe“ , die im kleinen Örtchen Crozet ihr Kloster gebaut haben, aussuchen möchte, stolpert sie dort förmlich über einen toten Mönch. Keiner kann sich erklären, warum jemand Bruder Christopher töten wollen würde und der gesamte Orden ist geschockt.

Harry aber kann sich nicht vorstellen, dass einer der Bürger von Crozet einen Mönch umgebracht haben soll und verdächtigt zunächst die Brüder selbst. Doch dann geschieht ein zweiter Mord – wieder wird ein Mönch – diesmal Bruder Speed, der in seinem weltlichen Leben ein Pferdejockey war, mit durchschnittener Kehle und einem Obolus unter der Zunge aufgefunden.

Gemeinsam mit ihrer Katze Mrs. Murphy will Harry der Sache auf die Spur gehen.

Es war das erste Buch, das ich je von Rita Mae Brown gelesen habe. Meine Brieffreundin hat es mir zu Weihnachten geschenkt und da es ein Krimi war, Katzen darin vorkamen und mich der Klappentext neugierig gemacht hatte, wollte ich es unbedingt lesen.

Wirklich gefallen hat es mir allerdings nicht. Auch wenn es der 17. Band der Reihe ist, fand ich es etwas befremdlich, dass der Leser sofort ins Geschehen geworfen wurde und die Personen, die im Buch vorkamen, so gut wie gar nicht vorgestellt wurden. Ich war zunächst einmal einfach überfordert mit den vielen Personen. Seltsam fand ich es auch, dass die Tiere im Buch sprechen können. Ich meine, ich habe auch schon „Als die Tiere den Wald verließen“ und ähnliche Bücher gelesen, in denen die Tiere auch sprechen konnten, aber bei diesem Buch hat mich das sehr gestört.

Wahrscheinlich lag das daran, dass mir besonders die Katzen im Buch so vermenschlicht vorkamen. Sie bezeichnen Harry als ihre „Mutter“ und begleiten sie, genau wie ihre Hündin, überall mit hin. Das würden Katzen in diesem Maße niemals tun. Was mich auch sehr gestört hat, war einerseits diese „Heile-Welt-Mentalität“, die im Dorf Crozet vorherrscht, dieses Kleinstädterische. Das alleine hätte mich gar nicht so sehr gestört, es war allerdings gepaart damit, dass all diese Leute eine sehr liberale Auffassung zu allem hatten. Das wirkte so schrecklich aufgesetzt, selbst das alibimäßige lesbische Pärchen fehlte in diesem Dorf nicht.

Dass jeder in diesem Dorf Verständnis für jeden hat, egal, was dieser auch getan hat, hat mich auch sehr irritiert. Bis zum Schluss verwundert hat mich auch die Tatsache, dass niemand in Crozet sonderlich aufgewühlt war, weil dort Morde geschahen. Man hatte den Eindruck, dass jeder sich denkt: „Och…das schon wieder…“, mit den Schultern zuckt und weiter seinem Tagwerk nachgeht.

Auch die teilweise dann doch noch recht spannende eigentliche Handlung änderte nichts daran, dass ich dieses Buch nicht so toll fand und wohl auch keinen weiteren von Rita Mae Browns Katzenkrimis lesen werde. Allerdings hat mir meine Mutter schon andere von Rita Mae Browns Büchern empfohlen, die ich mir gleich mal bei ihr ausgeliehen habe.

Hier vergebe ich 1 von 5 Sternen.

[Rezension] Stephen King, „Der Anschlag“

„Der Anschlag“ von Stephen King

Gelesen vom 20.12.2012 bis zum 01.01.2013

Kennt ihr das, wenn  man die letzte Seite eines Buches gelesen hat und sich das Gefühlt einstellt, man habe eine lange, lange Reise hinter sich? Wenn einem die Figuren in einer Geschichte so vertraut geworden sind, dass es sich anfühlt, als würde man diese alten Bekannten jetzt erst einmal nicht mehr täglich sehen?

Genau das ist mir mit Stephen Kings „Der Anschlag“ passiert. Als ich es heute Nachmittag zuklappte, hinterließ es ein wehmütiges Gefühl, das auch jetzt noch ein bisschen anhält. Denn dieses Buch ist kein „typischer“ King, es ist etwas Besonderes. Es hat mich genauso fasziniert wie seine Reihe um den dunklen Turm – und das muss echt etwas heißen!

Der Englischlehrer Jake Epping lebt ein völlig normales Leben im Jahr 2011 – bis ihm sein Freund Al offenbart, dass sich im Lagerraum seines Schnellrestaurants ein „Schlupfloch“ in die Vergangenheit befindet. Al nennt es „das Kaninchenloch“, da man durch dieses Portal – genau wie Alice – in eine andere Welt gelangt. In die Welt im Jahr 1958. Jake glaubt ihm zunächst nicht, bis er selbst das Jahr 1958 besucht und sich das erste Mal probeweise dort umsieht.

Doch Al hat Jake nicht nur in dieses Geheimnis eingeweiht, um ihm zu erklären, warum er seine berühmten „Fatburger“ so billig anbieten kann. Er hat, während er selbst lange Zeit in der Vergangenheit verbrachte, einen Plan gefasst. Er will um jeden Preis verhindern, dass am 22. November 1963 John F. Kennedy erschossen wird. Al selbst kann das allerdings nicht mehr, da er an Krebs erkrankt ist. Nur deshalb hat er Jake überhaupt in seinen Plan mit eingeweiht.

Es passieren Dinge, die dafür sorgen, dass Jake sich schließlich ins Jahr 1958 begibt und sich dort, während er Harry, der 2011 in einem seiner Kurse für Erwachsene sein wird, helfen will und nach einiger Zeit auch Lee Oswald, den potentiellen Kennedy-Attentäter zu observieren beginnt, ein eigenes Leben aufbaut. Doch dass gerade dieser Umstand nicht nur für ihn äußerst gefährlich werden kann, wird Jake, der sich in der Vergangenheit George Amberson nennt, langsam klar, als er die Bibliothekarin Sadie Dunhill kennenlernt und sich in sie verliebt.

Dieses Buch ist auf der einen Seite kein typischer King, da es gänzlich ohne Horror-Elemente auskommt. Es ist schwer zu beschreiben, in welches Genre diese Geschichte gehört, da sie sowohl ein Krimi, als auch eine Liebesgeschichte und noch vieles mehr ist. Auf der anderen Seite ist das Buch ein typischer King, da ich als Leser von Anfang an in die Handlung hineingeworfen wurde. Ich finde es faszinierend, wie King in unserer Realität etwas auftauchen lässt, das ganz und gar surreal ist, einem aber nach einer Weile völlig normal erscheint. Wie zum Beispiel das „Kaninchenloch“, das ins Jahr 1958 führt.

Ich fand es unheimlich spannend, alle Personen in diesem Buch kennenzulernen. Mit manchen hatte ich Mitleid, andere habe ich lieben oder fürchten gelernt, aber am Ende hatte ich das Gefühl, mich von alten Bekannten trennen zu müssen. Es verbindet perfekt Geschichte und Fiktion und zumindest mich hat es dazu gebracht, mehr über das Kennedy-Attentat wissen zu wollen.

Kurz gesagt: Wer es noch nicht gelesen hat – lest dieses Buch! Es ist großartig.

Deshalb vergebe ich auch 5 von 5 Sternen.